Sensomotorische Amnesie (SMA) ist ein Zustand, bei dem das Gehirn die Fähigkeit verliert, bestimmte Muskeln korrekt zu steuern. Diese Störung tritt oft unbemerkt auf, beeinflusst jedoch erheblich das Wohlbefinden und die Beweglichkeit eines Menschen. Sie kann als eine Art „Vergesslichkeit“ im Körper beschrieben werden, wo das Nervensystem bestimmte Muskelgruppen nicht mehr bewusst ansteuern kann.
Der Begriff „sensomotorisch“ bezieht sich auf die Interaktion zwischen sensorischen (Sinnes-) und motorischen (Bewegungs-) Systemen. Diese Systeme arbeiten normalerweise harmonisch zusammen, um Bewegungen zu koordinieren. Bei SMA ist diese Harmonie gestört, was zu fehlerhaften Bewegungsmustern und chronischen Verspannungen führt.
Ursachen und Symptome
SMA kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, darunter:
Chronischer Stress: Dauerhafter emotionaler oder physischer Stress kann dazu führen, dass der Körper bestimmte Muskelgruppen ständig angespannt hält.
Verletzungen: Traumata oder Verletzungen können das Gehirn dazu veranlassen, die betroffene Region zu schonen, was zu einer „Deaktivierung“ bestimmter Muskeln führt.
Fehlhaltungen: Langfristige schlechte Haltungsgewohnheiten können dazu führen, dass das Gehirn bestimmte Muskelgruppen „vergisst“.
Die Symptome von SMA sind vielfältig und können von subtilen Unregelmäßigkeiten bis hin zu starken Bewegungseinschränkungen reichen. Typische Anzeichen sind:
- Chronische Muskelverspannungen und Schmerzen
- Eingeschränkte Bewegungsfreiheit
- Asymmetrische Körperhaltungen
- Schwierigkeiten, bestimmte Bewegungen bewusst zu steuern
Diagnose
Die Diagnose von SMA ist oft kompliziert, da herkömmliche medizinische Untersuchungen wie Röntgen oder MRT keine klaren Hinweise liefern. Stattdessen basiert die Diagnose auf einer gründlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung durch spezialisierte Therapeuten, die geschulte Augen für fehlerhafte Bewegungsmuster und muskuläre Dysbalancen haben.
Behandlung durch Körpertherapie und Shiatsu
Shiatsu, eine traditionelle japanische Körpertherapie, bietet einen ganzheitlichen Ansatz zur Behandlung von sensomotorischer Amnesie (SMA). Die Methode kombiniert Meridiandruck, Faszienarbeit, Dehn- und Bewegungsübungen sowie Atemtechniken, um das Bewusstsein für den eigenen Körper zu verbessern und die neuronale Kontrolle über die Muskeln wiederherzustellen.
Meridianbehandlung und Faszienarbeit
Im Shiatsu werden spezifische Punkte entlang der Meridiane (Energiebahnen) des Körpers mit sanftem, aber tiefem Druck stimuliert. Diese Stimulation hilft, Blockaden zu lösen und den Fluss der Lebensenergie (Ki) zu verbessern, was Verspannungen reduziert und die Entspannung fördert. Zusätzlich zur Meridiandrucktechnik wird auch die Faszienarbeit einbezogen. Die Faszien, das Bindegewebe, das die Muskeln umhüllt und verbindet, können durch chronische Verspannungen verkleben und verhärten. Durch gezielte Dehnungen und Manipulationen werden diese Verklebungen gelöst, was die Beweglichkeit erhöht und das sensorische Feedback an das Gehirn verbessert.
Dehn- und Bewegungsübungen
Shiatsu integriert Dehn- und Bewegungsübungen, die die Mobilität und Flexibilität fördern. Diese Übungen ähneln den Techniken der Propriozeptiven Neuromuskulären Fazilitation (PNF) und zielen darauf ab, das Zusammenspiel zwischen dem Nervensystem und der Muskulatur zu optimieren. Durch sanfte, geführte Bewegungen wird das Gehirn stimuliert, neue neuronale Verbindungen zu schaffen und die Kontrolle über die betroffenen Muskelgruppen wiederzuerlangen.
Atemtechniken
Atemtechniken spielen eine zentrale Rolle im Shiatsu. Durch bewusste Atemübungen wird der Parasympathikus (der Teil des autonomen Nervensystems, der für Entspannung verantwortlich ist) aktiviert. Dies hilft, den Stress abzubauen und die Muskelentspannung zu fördern. Ein tiefer, gleichmäßiger Atemfluss verbessert die Sauerstoffversorgung des Körpers und unterstützt die Entspannung der Faszien und Muskeln, was die sensorische Wahrnehmung und die Beweglichkeit verbessert.
Somatische Übungen
Shiatsu beinhaltet auch somatische Übungen, die darauf abzielen, das Körperbewusstsein zu schärfen und die neuronale Rekalibrierung zu unterstützen. Diese Übungen, ähnlich denen in der Hanna-Somatik, fördern langsame, bewusste Bewegungen, die dem Gehirn helfen, die Kontrolle über die „vergessenen“ Muskelgruppen wiederzuerlangen. Durch diese bewussten Bewegungen werden fehlerhafte Bewegungsmuster korrigiert und die neuronalen Verbindungen gestärkt.
Verbesserung des Körperbewusstseins
Ein wesentlicher Bestandteil der Shiatsu-Behandlung ist die Förderung des Körperbewusstseins. Durch die verschiedenen Techniken lernt der Patient, die Signale seines Körpers besser wahrzunehmen und zu interpretieren. Dieses verbesserte Körperbewusstsein ist entscheidend für die langfristige Überwindung von SMA, da es dem Patienten hilft, bewusster mit seinem Körper umzugehen und fehlerhafte Bewegungsmuster aktiv zu korrigieren.
Pandikulationen nach Dr. Hanna
Pandikulation ist ein natürlicher Vorgang, den man oft bei Tieren und Menschen nach dem Aufwachen oder nach langem Sitzen beobachten kann. Es handelt sich um das langsame und bewusste Anspannen und anschließende Entspannen der Muskeln. Diese Methode wird in der Körpertherapie genutzt, um chronische Muskelverspannungen zu lösen und die Muskelkontrolle zu verbessern.
Neuprogrammierung des Nervensystems: Durch das langsame und bewusste Anspannen und Entspannen der Muskeln wird das zentrale Nervensystem in den Prozess einbezogen. Dies führt zu einer Neuprogrammierung der neuronalen Steuerung und einer nachhaltigen Reduktion der Muskelspannung.
Sicher und schonend: Pandikulation ist eine sanfte Methode, die das Risiko einer Überdehnung minimiert. Da die Bewegungen aktiv und kontrolliert sind, wird die Muskelgesundheit gefördert.
Langfristige Effekte: Die Veränderungen, die durch Pandikulation erreicht werden, sind nachhaltiger als die kurzfristigen Effekte von statischen Dehnungen. Die Muskeln lernen, sich in einem entspannten Zustand zu halten, was die Häufigkeit und Intensität von Verspannungen reduziert.
Verbesserte Körperwahrnehmung: Pandikulation fördert die Körperwahrnehmung und -kontrolle. Dies trägt nicht nur zur Reduktion von Verspannungen bei, sondern verbessert auch die allgemeine Bewegungsqualität und -effizienz.
Warum helfen statische Dehnungen nicht?
Statische Dehnungen, bei denen Muskeln für eine bestimmte Zeit in einer gedehnten Position gehalten werden, sind weit verbreitet. Sie haben jedoch einige wesentliche Nachteile, wenn es um die Lösung von chronischen Verspannungen geht:
Keine neuronale Rückkopplung: Statische Dehnungen ändern nichts an der neuronalen Steuerung der Muskeln. Sie dehnen die Muskeln zwar passiv, beeinflussen aber nicht die zugrunde liegenden Spannungsmuster, die durch das zentrale Nervensystem gesteuert werden.
Gefahr der Überdehnung: Da statische Dehnungen oft ohne aktive Kontrolle des Nervensystems erfolgen, besteht die Gefahr einer Überdehnung, die die Muskeln und Sehnen verletzen kann.
Kurzfristige Effekte: Auch wenn statische Dehnungen kurzfristig eine Linderung verschaffen können, sind die Effekte meist nicht von Dauer. Die Muskeln kehren schnell in ihren verspannten Zustand zurück, da die neuronalen Spannungsmuster unverändert bleiben.
Fehlende Integration: Statische Dehnungen tragen nicht zur verbesserten Muskelkontrolle oder zur Bewegungsintegration bei, die notwendig sind, um chronische Verspannungen dauerhaft zu lösen.
Fazit
Die Behandlung von sensomotorischer Amnesie mit Shiatsu bietet einen umfassenden, integrativen Ansatz, der sowohl körperliche als auch neuronale Aspekte berücksichtigt. Durch die Kombination von Meridiandruck, Faszienarbeit, Dehn- und Bewegungsübungen sowie Atemtechniken wird das Bewusstsein für den eigenen Körper verbessert und die neuronale Kontrolle über die Muskeln wiederhergestellt. Diese ganzheitliche Methode führt nicht nur zur Linderung von Symptomen, sondern unterstützt auch die nachhaltige Heilung und Verbesserung der Lebensqualität.




